Kommentare 0

Am Seil hochgelassen

Die Mauern, respektive die Zelte hielten und wir warteten relativ gemütlich darauf, dass wir den Aufstieg ins Hochlager in Angriff nehmen konnten. Diese Zeit nutzten wir unter anderem dafür, den Ablauf am Fixseil zu üben: Steigklemme einhängen und dahinter einen Karabiner. Sowohl Klemme wie auch Karabiner waren mit einer Schlinge mit dem Klettergurt verbunden. Sollte die Klemme nicht halten, würden wir dank dem Karabiner „nur“ bis zum nächsten Anker stürzen. Wichtig bei diesem Vorgehen war, dass laut und deutlich kommuniziert wurde, damit alle am Seil wussten, ob man weitergehen oder kurz warten musste. Als der Wind im Hochlager relativ ruhig zu sein schien und die Prognose für den Tag passte, hiess es für uns, Lager abbauen und Rucksäcke packen. Obwohl wir bereits 2 Tage zuvor mit Essen fürs Hochlager und Benzin bis über die Fixseile hochgestiegen waren, waren unsere Rucksäcke voll und schwer. Zu dieser Last würde ab dem 3. Depot gleich überhalb der Fixseile dann noch das Material kommen, das wir dort verbuddelt hatten. Die letzten 300 Höhenmeter über den Grat versprachen also anstrengend zu werden. Wir setzten uns hinter einer endlos scheinenden Karawane in Bewegung und erreichten in einer sehr guten Zeit die Fixseile. Nach einer ausgiebigen Pause waren wir an der Reihe und klinkten uns ein. Dank dem vorgängigen Aufstieg wussten wir, was uns erwartete und kamen so trotz den schweren Rucksäcken problemlos hoch. Beim Depot packten wir das zusätzliche Material in die Rucksäcke und stiegen weiter auf. Alle paar Meter schaute eine Schlinge aus dem Schnee, die an einem Anker befestigt war. Mit einem Karabiner konnten wir uns so sichern. Das war zwar psychologisch angenehm, körperlich aber sehr anstrengend: Alle paar Meter den Pickel weglegen, in die Knie gehen, das Seil zum Vordermann aus- und das Seil nach hinten einhängen, aufstehen und weiter. Als ob die Luft ansonsten nicht schon „dünn“ genug war da oben… Um ca. 22 Uhr erreichten wir das Hochlager. Endlich verschnaufen – oder doch nicht: Im letzten Sonnenschein erstellten wir eine Plattform und bauten die Zelte auf. Um Mitternacht war der Schnee zu heissem Wasser geschmolzen und wir konnten unser Hochlageressen zubreiten: heisses Wasser in den Beutel mit gefriergetrockneter Nahrung, umrühren und warten. Und warten. Und warten. Auf rund 1500 m.ü.M. dauert das je nach Menu 8-12 Minuten. Gemäss Anleitung dauert es pro 5000 Fuss (1524 Meter) nochmals rund 10 Minuten länger. Und wir waren auf über 17’000 Fuss! Tobias und ich dösten immer wieder weg, im Schlafsack sitzend und einen warmen Essensbeutel im Schlafsack… Schliesslich konnten wir die wichtigen Kalorien doch noch zu uns nehmen und endlich schlafen. Obs am nächsten Tag wohl auf den Gipfel ginge?

Schreibe eine Antwort