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Am selben Seil wieder runter

Heute ist kein Gipfeltag. Zu windig. Ehrlich gesagt bin ich nicht zu unglücklich darüber. Ich bin platt von gestern, der Aufstieg mit dem schweren Rucksack war sehr anstrengend. Chad, unser Guide, eröffnet uns, dass es zu windig sei heute. Allerdings würden wir hier warten und – falls sich das Wetter bessert – morgen unseren Aufstieg wagen. Die letzte Chance also. Bereits an Aconcagua mussten wir warten, bis wir auf den letzten Drücker doch noch den Gipfel erreichen konnten. Vielleicht wirds hier ja ähnlich?

Wir nutzen den freien Tag zur Erholung. Im Verlauf des Tages nimmt der Wind ab, wir fragen uns, ob wir nicht doch gehen sollten. Es bleibt ja eh mehr oder weniger 24 Stunden lang hell. Bereits um 19 Uhr legt der Wind aber wieder kräftig zu. Jetzt irgendwo da oben? Nein danke!

Um 20 Uhr folgt die abendliche Wetterprognose per Funk: Starke Winde in der Gipfelregion, auch schon im Hochlager. Somit sind die Würfel gefallen: Wir dürfen dem „i“ das Pünktchen nicht aufsetzen! Und trotzdem ist die Expedition noch nicht fertig, schliesslich müssen wir den ganzen Weg wieder zurück. Und morgen über Grat und Fixseile absteigen.

Nach einer windigen Nacht bauen wir bei rund -25°C am Morgen das Lager ab. Wie Michelin-Männchen verpacken wir die Zelte. Unsere Brillen beschlagen und gefrieren sofort. Hier ist es zwar störend, auf dem Grat kann es aber auch gefährlich sein, „blindlings“ absteigen zu müssen…

 

Meine Finger sind eiskalt als ich das Seil zur Sicherung in die Karabiner ein- und aushänge. Wider Erwarten stört das an den Fixseilen nicht wirklich. Die ganze Expedition steigt zügig und sicher ab. Kaum sind wir in der Flanke über dem Medical Camp, stellt der kalte Nordwind ab und es wird merklich wärmer. Langsam schälen wir uns aus unseren Kleidern und steigen auf 4300 Meter ab.

Obwohl jetzt alle Stalldrang haben entscheiden unsere Guides, dass wir noch eine Nacht hier bleiben, gut essen und schlafen und morgen ausgeruht den ganzen Weg bis zum Basislager in Angriff nehmen werden. Dann wieder mit dem gesamten Gepäck und den Schlitten (und mehr Fotos)…

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