Kommentare 1

Schlussspurt

Das Programm heute ist relativ schnell beschrieben: Die ganze Strecke, die wir auf dem Hinweg in 7 (inkl. 3 Ruhetagen) Tagen zurückgelegt haben, spulen wir nun in einem Tag ab. Selbstverständlich müssen wir nicht mehr hin- und hergehen, um Depots zu machen, aber wir haben im Lager 2 und 1 (sowie dann im Basislager) noch Material vergraben.

Wir bauen also das Lager ab und nehmen das letzte Frühstück auf dem Berg zu uns. Auch heute dauerts wieder eine Weile, bis wir abmarschbereit sind. Doch dann gehts los: Wir verlassen das Plateau des Medical Camps, überqueren die Spaltenzone kurz oberhalb des Windy Corners und ziehen allfällige Schlitten, die in eine Spalte rutschen, wieder raus. Meine Finger sind noch nicht erholt vom gestrigen Abstieg, die Kuppen sind nach wie vor kalt. Wieder bläst ein kühler Wind und einmal mehr verfluche ich ihn.

Am Windy Corner ziehen wir die Helme aus und ziehen weiter. Runter übers Polofield, oberhalb des Squirrel Hills machen wir wieder eine Pause. Wir staunen: Erstens ab dem Neuschnee – es hat sicherlich 30 Zentimeter davon – und zweitens über die Kolonnen von Menschen, die bergwärts ziehen. Da wir von oben kommen, weichen wir in den Neuschnee aus – und spuren, wie auf einer Skitour.

Das Lager 2 ist förmlich explodiert: Unser Lagerplatz, der vor 2 Wochen noch am Rand lag, ist umgeben von Zelten. Ich bewundere unsere Guides, die unser ehemaliges Lager problemlos wiederfinden. Ich hätte wesentlich länger gesucht… Wir steigen von Steigeisen wieder auf Schneeschuhe um, hängen den Pickel an den Rucksack und laden das hier vergrabene Material auf. Und dann gehts auch schon weiter.

Im Lager 1 legen wir eine lange Pause ein. Kai macht Pizzen für das ganze Team – auf dem Gaskocher, natürlich. Chad und Tad graben unser letztes Depot aus und knapp 3 Stunden später nehmen wir die letzte Etappe in Angriff. Wir kommen trotz Müdigkeit gut voran und schaffen auch den allerletzten Anstieg – Heartbreak Hill genannt. Um etwa 23 Uhr kommen wir nach 17 Tagen gesund und munter im Basislager an. Alles schläft. So leise wie möglich stellen wir ein letztes Mal die Zelte auf und stossen dann mit Bier an. Bier, das wir hier nach unserer Landung vergraben haben, um dann 17 Tage später unsere Rückkehr zu feiern. Allerdings ist mir bei diesen Temperaturen nicht nach Bier zu Mute – das kommt dann wieder in der Zivilisation.

Die Nacht ist kurz und ruhig, der Lagerabbau Routine. Wir stehen neben unserem Gepäck und warten auf die Flugzeuge, die uns wieder in eine andere Welt bringen. Der Flug raus ist noch einmal grossartig – so grossartig wie die ganze Expedition – mit oder ohne Gipfel!

 

1 Kommentar

Schreibe eine Antwort